Nachhaltigkeitsdialog in Stuttgart - Wir werden die Aufgaben nur gemeinsam lösen

Baden-Württemberg

Freiwilliges Handeln oder gesetzliche Regelungen? In Stuttgart fand die zweite Dialogkonferenz zur Weiterentwicklung der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie statt. 170 Bürgerinnen und Bürger brachten ihre Ideen und Anregungen ein. Am 19. Januar 2016 wird die Reihe in Bonn fortgesetzt.

"Wir wollen mit Ihnen ins Gespräch kommen", begrüßte Andrea Thilo die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Sie moderierte die Veranstaltung und ermunterte alle, sich rege zu beteiligen.

Nachhaltigkeit ist für Stuttgart wichtig

"Die Kommunen spielen bei der Nachhaltigkeit eine zentrale Rolle. Sie setzen die Konzepte um“, war sich Peter Pätzold sicher. Der Bürgermeister für Städtebau und Umwelt in Stuttgart gab in seinem Grußwort gab einen Überblick über die Anstrengungen der Landeshauptstadt.
Eine große Herausforderung stelle die Lage der Stadt dar. Stuttgart liegt in einem Talkessel. Dies präge das Stadtklima, so Pätzold. Wichtig seien daher ein nachhaltiges Flächenkonzept und mehr Bäume. Ein Konzept zur Anpassung an den Klimawandel sehe vor, Flachdächer zu begrünen. Auch bei der Energiewende sei Stuttgart auf einem guten Weg. So nutze die Stadt seit 2012 Ökostrom.

Klimaneutrale Landesverwaltung ist das Ziel

"Wir werden bei der Nachhaltigkeit nur vorankommen, wenn alle mitmachen", so Franz Untersteller, Minister für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft in Baden-Württemberg. Er wünscht sich ein starkes Engagement der Bürgerinnen und Bürger. Daher sei es sei gut, dass die Dialogkonferenzen der Bundesregierung in den Regionen stattfinden.

"Wir machen die Nachhaltigkeit zu einem zentralen Punkt unseres Handels", betonte Untersteller und erläuterte die Ziele der Württembergischen Landesregierung. Bis 2040 soll die Landesverwaltung klimaneutral sein. Die für das Jahr 2020 gesetzten Zwischenziele seien schon jetzt erreicht, erklärte der Minister erfreut.

Noch mehr Menschen sollten einbezogen werden, forderte Untersteller. Es gehe darum, Nachhaltigkeit erlebbar zu machen. Besonders geeignet seien etwa Wettbewerbe oder die Woche der Nachhaltigkeit. In diesem Jahr beteiligte sich Baden-Württemberg mit über 800 Aktionen. Untersteller rief die Teilnehmer auf, ihre Impulse in die Diskussion einzubringen. Die Beiträge können so in die Fortschreibung der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie einfließen.

Ein würdiges Leben für alle Menschen dieser Welt

Die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung sei eine Antwort auf die Flüchtlingsproblematik, erläuterte Ingolf Dietrich. Als Beauftragter der Sondereinheit Nachhaltige Entwicklungsziele im Entwicklungsministerium sieht er die Agenda als ein Mittel zur Fluchtursachenbekämpfung. "Ein würdiges Leben für alle Menschen und Wohlstand für alle, aber nicht auf Kosten anderer", das sei die Grundidee der Agenda 2030.

Es sei wichtig, die Agenda im eigenen Land umzusetzen, aber auch gemeinsam mit anderen Ländern in der ganzen Welt. Man müsse sich immer bewusst sein, dass alle in einem Boot säßen: "Was wir in Deutschland tun, hat Auswirkungen auf die ganze Welt", so Dietrich.

Nachhaltigkeit muss Chefsache sein

An der Podiumsdiskussion nahmen auch Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft teil.

Nachhaltigkeitsziele müssten messbar werden. Dafür sprach sich Brigitte Dahlbender aus, Stadträtin und Landesvorsitzende des BUND. Wenn freiwilliges Handeln nicht ausreiche, seien gesetzliche Regelungen zu schaffen, um bestimmte Ziele zu erreichen. Eventuell müsse es auch Verbote geben, so Dahlbender.

Es sollte es weniger Einschränkungen geben, fordert Wolfgang Schmalz, J. Schmalz GmbH, aus Sicht kleinerer und mittlererer Unternehmen. Wichtig seien mehr Möglichkeiten zu Handeln und weniger Hindernisse. Bei Mittelständlern sei Nachhaltigkeit bereits Chefsache, denn hier denke man schon nach Generationen und nicht nur in Quartalen. Regulierung solle es deshalb in differenzierter Form geben.

Professor Ortwin Renn, Uni Stuttgart und Mitglied der Ethikkommission für sichere Energienutzung der Bundesregierung, unterstrich, dass Nachhaltigkeit nicht verordnet werden könne. Dann bestünde die Gefahr, dass die Flexibilität verloren gehe. Nicht immer seien alle Ziele der Agenda in Übereinklang zu bringen. Die Minimierung einer Sache bedeute oft die Maximierung einer anderen. Wichtig sei es, Prioritäten zu setzen und sich darüber zu verständigen.

Wem nutzen die Agenda-Ziele?, fragte Claudia Duppel, Geschäftsführerin des Dachverbands Entwicklungspolitik Baden Württemberg. Es dürfe keine neue Armut entstehen. Duppel betonte, mit Appellen an die Menschen allein sei es nicht getan. Doch man müsse klären, was mehr politische Regulierung hieße. Sie plädierte zum Beispiel dafür, mehr Rohstoffe zurückzugewinnen, als neue zu fördern.

Die einzelnen Themen wurden im Tagesverlauf in Workshops vertieft diskutiert.

Die nächsten Konferenzen in der bundesweiten Dialogreihe finden an folgenden Terminen statt: 19. Januar 2016 in Bonn und 11. Februar 2016 in Hamburg.

Bundesregierung
16.12.2015
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