Bildungsminister Commerçon stellt Sofortprogramm zur Bildung und Förderung von Flüchtlingskindern vor

Saarland

Bildungsminister Ulrich Commerçon hat im Rahmen der heutigen Haushaltsdebatte im saarländischen Landtag ein Sofortprogramm zur Bildung und Förderung von Flüchtlingskindern vorgestellt: Rund eine Million Euro für die Ausweitung von Sprachförderungsprogrammen, zusätzliche Lehrkräfte  und weitere Qualifizierungsmaßnahmen für Lehrkräfte sollen zu einer raschen Integration der Flüchtlinge beitragen.
 
„Bildungsgerechtigkeit beweist sich darin, ob sie allen Menschen Zugang schafft zu Bildung und Teilhabe und damit einen Beitrag zu einer möglichst selbstständigen und gelingenden Lebensführung leistet. Deshalb stehen wir in der Pflicht, Flüchtlingskindern von Beginn an eine schulische und berufliche Perspektive zu eröffnen. Wir nutzen damit auch die Chancen, die sich für unsere Gesellschaft aus der Zuwanderung ergeben“, so Commerçon.
 
Derzeit kommen rund 300 Flüchtlinge pro Monat ins Saarland. Rund ein Drittel davon, so schätzt das Bildungsministerium, sind minderjährige und zum Teil unbegleitete Kinder und Jugendliche.  Für die Ausweitung bestehender Sprachförderprogramme  stellt das Ministerium zusätzlich rund eine Million Euro zur Verfügung. „Das Erlernen der deutschen Sprache ist der Grundstein für eine erfolgreiche Integration“, betonte der Minister. In den Schulen werde daher in den ersten Monaten schwerpunktmäßig Sprachunterricht für die Flüchtlinge angeboten. „Darüber hinaus kommt es darauf an, die Kinder und Jugendlichen so rasch wie möglich in den schulischen Alltag zu integrieren und die Teilnahme an Fächern wie Sport, Kunst und Musik einzubinden.“
 
Als weitere Sofortmaßnahme zur Abdeckung von zusätzlichem Personalbedarf an den saarländischen Schulen werden kurzfristig 25 Lehrkräfte zur Verfügung gestellt. Eingesetzt werden Lehrkräfte mit Deutsch als Fremdsprache oder Lehrkräfte, die Deutsch oder Fremdsprachen studiert haben. Parallel dazu verstärkt das Landesinstitut für Pädagogik und Medien (LPM) seine Qualifizierungsmaßnahmen für Lehrerinnen und Lehrer. Im Mittelpunkt soll der Umgang der Lehrkräfte mit Heterogenität an den Schulen stehen. „Für die Realisierung dieser Sofortmaßnahmen haben wir alle noch frei verfügbaren Ressourcen und nicht gebundene Mittel im Bildungsministerium gebündelt, um auf die Situation reagieren zu können“, so der Minister.
 
Im Hinblick auf den im Zuge der demografischen Entwicklung beabsichtigten Wegfall von Lehrerstellen führte Commerçon aus, dass das Ministerium derzeit nach aktuell vorliegenden Prognosen mit einem Schülerrückgang von rd. 17 Prozent bis zum Schuljahr 2020/21 rechne. Ursprünglich war sowohl von der Jamaika-Regierung als auch zu Beginn der neuen Legislaturperiode ein Rückgang von rd. 21 Prozent angenommen worden. Ein Grund für die Abweichung bestehe in der in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegenen Quote an Absolventen mit Hochschulreife und der damit verbundenen längeren Verweildauer im Bildungssystem.

Commerçon: „Der verlangsamte Rückgang der Schülerinnen- und Schülerzahl ist aber auch auf die steigende Zuwanderung zurückzuführen. Deshalb müssen wir auf Entwicklungen reagieren, die von ursprünglichen Annahmen abweichen. Wenn sich hier Änderungen ergeben, wird in Abhängigkeit von der Bedarfsentwicklung von Jahr zu Jahr über den Stellenwegfall entschieden. Dies haben wir bereits getan.“ Entgegen der ursprünglichen Planung wurde mit dem Stellenabbau nicht schon im Jahr 2013 begonnen, sondern erst im August 2014, also ein ganzes Jahr später. Hierbei handelt es sich um 38 Stellen. „Laut PWC-Gutachten aus dem Jahr 2010 war zum 1.01.2015 der Wegfall von 111 Stellen im Lehrerinnen- und Lehrerbereich vorgesehen. Nach den Vereinbarungen des Bildungsministeriums mit dem Finanzministerium zum Haushalt 2015 ist nunmehr lediglich ein Abbau von 25 Stellen zum 1.01.2015 und von 44 Stellen zum 1.08.2015 vorgesehen, also 42 Stellen weniger als ursprünglich geplant und - orientiert an den Erfordernissen eines Schuljahres - zeitlich gestreckt.", so Commerçon.

Saarland, Ministerium für Bildung und Kultur
04.12.2014
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