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Tansania und Niedersachsen - Zusammenarbeit

Seit 2010 werden Projekte in Tansania durch das Land Niedersachsen gefördert. Diese Projekte reichen von Schulpartnerschaften und Hochschulkooperationen (Studierendenaustausch, Forschungs- und Promotionsförderung) über den Aufbau einer förderdiagnostischen Werkstatt zur sprachtherapeutischen Versorgung der lokalen Bevölkerung im Rahmen der UN-Behindertenrechtskonvention, Empowerment von Frauen und Mädchen (Bau und Ausstattung eines Gebäudes sowie Bereitstellung von Betriebsmitteln für eine Berufsausbildung für Mädchen, die von der Genitalverstümmelung bedroht sind), Erneuerbaren Energien (Errichtung von Solarkiosken, mit denen mobile Lampen aufgeladen werden, die gesundheitsschädliche Petroleumlampen ersetzen) bis zur Unterstützung bei der Renovierung der MS Liemba (1913 in Papenburg gebaut, bis heute wichtiges Transportmittel auf dem Tanganjikasee).

Die Projekte werden mithilfe der niedersächsischen Partner aus Hochschulen, Schulen und Landesgesellschaften sowie von Nichtregierungsorganisationen durchgeführt.

Ein symbolträchtiges und für die regionale wirtschaftliche Entwicklung bedeutsames Projekt – die Renovierung der MS Liemba, ehemals Graf Goetzen – steht für deutsche Ingenieurkunst und Wertarbeit sowie ein gemeinsames historisches Erbe von Tansania und Deutschland. Das Schiff ist durch Filme wie „African Queen“ zu einem Mythos geworden. Das Schiff wird aus entwicklungspolitischen Gründen dringend gebraucht, weil insbesondere die Handel treibenden Frauen rund um den See auf eine zuverlässige Schiffsverbindung angewiesen sind. Aktuell dient es überdies als Transportmittel für den UNHCR, um Flüchtlinge aus Burundi nach Tansania zu bringen. Das Schiff ist zwar seetüchtig, aber dringend überholungsbedürftig. Das Land Niedersachsen engagiert sich in der Erschließung von Finanzierungsmöglichkeiten für eine Überholung, ggf. unter Beteiligung der Wirtschaft, und unterstützt Akteure die weitergehende Nutzungskonzepte (z. B. Bildung, Ausbildung) in diesem Kontext entwickeln.

Im Jahr 2017 besuchte die Staatssekretärin für Entwicklungspolitik in der Niedersächsischen Staatskanzlei Birgit Honé mit einer Fachdelegation aus Vertreterinnen und Vertretern des Niedersächsischen Landtags, der Wissenschaft, Wirtschaft und Nichtregierungsorganisationen verschiedene Projektstandorte in Tansania. Ziel der Reise war es, sich vor Ort einen Eindruck von den Projekten zu verschaffen und die Entwicklungszusammenarbeit des Landes Niedersachsen mit Tansania weiterzuentwickeln. Zu diesem Zweck besuchte die Delegation zunächst Daressalam und führte dort eine Reihe von Fachgesprächen mit Vertreterinnen und Vertretern der Wirtschaft, Wissenschaft, Medizin, Nichtregierungsorganisationen sowie tansanischer Ministerien. Auf dem Programm standen im Weiteren ein Besuch der St. Augustine University of Tanzania (SAUT) in Mwanza, die seit einigen Jahren eine intensive Kooperation mit der Universität Vechta unterhält, und ein Treffen mit Vertreterinnen und Vertretern der Nichtregierungsorganisation Network against Female Genital Mutilation (NAFGEM), die sich gegen weibliche Genitalverstümmelung einsetzt. Aus der Kooperation zwischen der Universität Vechta und der SAUT sind inzwischen mit Landesmitteln geförderte Projekte mit kirchlichen sowie Wirtschaftspartnern in den Bereichen Ernährungssicherung, Bildung und Ausbildungsförderung entstanden, die den Ärmsten der Landbevölkerung zugutekommen. So unterstützt das Land Niedersachsen unter anderem den Aufbau eines landwirtschaftlichen Modellbetriebes in der Diözese Rulenge-Ngara zur ökologischen Erzeugung von Moringa, das nach Deutschland exportiert und hier in Kosmetikprodukten sowie als Lebensmittel verwendet wird. Inhalt des Projektes ist das Training der örtlichen Bevölkerung im Anlegen einer Moringa-Baumschule, in der Weiterverarbeitung sowie im Marketing.

Außerdem besuchte die Delegation die Sebastian Kolowa Memorial University (SEKOMU), Partneruniversität der Leibniz Universität Hannover, in der Region Irente/Lushoto. Nach dem Aufbau einer akademischen Ausbildung im Bereich Sonderpädagogik und der Gründung eines Kinderheims fördert die Landesregierung dort inzwischen den Aufbau einer Tagespflegeeinrichtung für Kinder mit Sprach- und Entwicklungsstörungen. Lushoto liegt in einer medizinisch stark unterversorgten Region. Auf diese Weise wird der Gefahr begegnet, dass die betroffenen Kinder vernachlässigt oder ausgesetzt werden. Zusätzlich unterstützt die Landesregierung die schrittweise energetische Sanierung und Ausstattung der Fördereinrichtungen mit Solaranlagen, um den funktionsgerechten Betrieb dauerhaft zu gewährleisten. Auf diese Weise konnten auch hier durch die Zusammenarbeit mit Nichtregierungsorganisationen und der Wirtschaft Synergieeffekte generiert und die Nachhaltigkeit des Gesamtprojektes somit erhöht werden.

Zugleich mit der Delegation von Staatssekretärin Honé war der LandesSportBund Niedersachsen mit einer Delegation vor Ort. Die Delegation traf den Sportminister sowie den Generalsekretär des Nationalen Olympischen Komitees. Seminare im Sportmanagement, sportartspezifische Austausche, Jugendbegegnung und Freiwilligendienst bilden den Kern der Zusammenarbeit, die weiter vertieft und ausgeweitet werden soll.