Direkt zum Inhalt

Eastern Cape (Südafrika) und Niedersachsen - Regionalpartnerschaft

Die Provinz Eastern Cape, Heimat von Nelson Mandela, ist mit rund 170.000 qkm etwa halb so groß wie Deutschland und hat rund 6,5 Millionen Einwohner. Wirtschaftliche Zentren sind die Städte East London und Port Elizabeth. Die Partnerschaft zwischen Niedersachsen und Eastern Cape besteht seit 1995. Zu Beginn stand der Aufbau effizienter und demokratischer Verwaltungsstrukturen auf Provinzebene im Mittelpunkt der Zusammenarbeit.

Anlässlich des 20jährigen Jubiläums der Partnerschaft ist im Jahr 2015 die Partnerschafts-vereinbarung erneuert und an die aktuellen Gegebenheiten und entwicklungspolitischen Ziele der Landesregierung angepasst worden. Die Zusammenarbeit erstreckt sich inzwischen auf die Gebiete Bildung, wissenschaftliche Zusammenarbeit, Jugendbegegnung, Sport, Kultur, Gesundheit, Erneuerbare Energien und Klimaschutz, Landwirtschaft sowie kommunale Entwicklungszusammenarbeit.

Zurzeit wird eine Aktualisierung abgestimmt, die folgende Themenfelder neu aufnehmen wird:

  • Gleichstellung der Geschlechter,
  • Digitale Wirtschaft,
  • Angelegenheiten in Zusammenhang mit dem (kulturellen) Erbe und
  • Unterstützung bei der Bekämpfung von Pandemien.

Als einziges deutsches Bundesland entsendet Niedersachsen dauerhaft Landesbedienstete in das Eastern Cape, um vor Ort die Zusammenarbeit zu unterstützen. Diese Repräsentanz des Landes Niedersachsen in Südafrika hat sich als wichtiges Bindeglied erwiesen, das die kontinuierliche Weiterentwicklung der Partnerschaft fördert.

Die Partnerschaft zeichnet sich durch eine rege gegenseitige Besuchskultur aus. Im Oktober 2015 besuchte der stellvertretende Niedersächsische Ministerpräsident Stefan Wenzel, Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz, anlässlich des 20jährigen Jubiläums der Partnerschaft mit einer über 50köpfigen Delegation von Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Kommunen Südafrika und das Eastern Cape. Minister Wenzel und der Premierminister des Eastern Cape, Phumolo Masualle, verständigten sich auf die weitere Intensivierung der Zusammenarbeit insbesondere im Bereich der Erneuerbaren Energien. Konkret wurde unter Beteiligung südafrikanischer und niedersächsischer Forschungseinrichtungen und Wirtschaftsverbände ein Konzept zur autarken Stromversorgung einer Region oder eines Dorfes mit erneuerbaren Energiequellen (sog. Insellösung) erarbeitet. Ziel ist, ein lokal geschlossenes Versorgungssystem zu entwickeln und damit auch Arbeitsplätze zu schaffen, um den ländlichen Raum weiter zu entwickeln.
Im Jahr 2016 erwiderte der Premierminister des Eastern Cape den Besuch mit einem Gegenbesuch in Niedersachsen. Der Premier wurde begleitet von drei Ministern bzw. Ministerinnen, dem Oberbürgermeister der Buffalo City Metropolitan Municipality und einer Wirtschaftsdelegation. Neben politischen Gesprächen, insbesondere zu den Themen Erneuerbare Energien, wirtschaftliche Zusammenarbeit und Sport, und einer Rede des Premierministers vor den Abgeordneten des Niedersächsischen Landtags stand u. a. ein Besuch der Stadt Oldenburg auf dem Programm. Oldenburg unterhält eine strategische Kommunalpartnerschaft mit der Buffalo City Metropolitan Municipality im Eastern Cape.

Der hochrangige Besuch des Premiers und seiner Delegation in Niedersachsen mündete des Weiteren in einer verstärkten Zusammenarbeit im Bereich der Handelskammern. Ziel eines im Juli 2017 unterzeichneten Kooperationsabkommens der Industrie- und Handelskammer Hannover mit vier Wirtschaftsorganisationen im Eastern Cape ist, den Marktzugang in Südafrika für Unternehmen aus der IHK-Region zu erleichtern und die Handelsbeziehungen weiter auszubauen.

Im Mai 2018 besuchte der Niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil mit einer großen Delegation die Partnerregion. Die Gäste wurden herzlich empfangen und durch Premierminister Masualle, zahlreiche Kabinettsmitglieder und Parlamentspräsidentin Kiviet durch das Programm begleitet. Höhepunkte der Reise waren ein Termin mit jungen Menschen aus Niedersachsen, die als sog. „Weltwärts-Freiwillige“ ein Jahr im Eastern Cape verbringen und Kindern und Jugendlichen verschiedene Sportarten näherbringen. Beeindruckend war zu hören, welche Erfahrungen die jungen Menschen aus Niedersachsen für sich daraus mitnehmen.

Besondere Aufmerksamkeit und Würdigung fand das gemeinsam entwickelte Projekt zur autonomen Energieversorgung mit Photovoltaik. Das sog. Minigrid-Projekt in Upper-Blinkwater, eine weit im Landesinneren gelegene Siedlung. Das Vorhaben ist für die Provinz Eastern Cape und natürlich für die Gemeinde von größter Bedeutung, weil es die Lebensbedingungen und Entwicklungschancen in der ländlich strukturierten Region erheblich verbessern und der Landbevölkerung eine gute Zukunftsperspektive eröffnen kann – ökonomisch und sozial. Um diese technische Neuerung auch vor Ort nachhaltig zu verankern, wird die örtliche Gemeinschaft eng in die konkrete Umsetzung eingebunden. Gemeinsam mit der GIZ fördert das Land Niedersachsen dieses Leuchtturm-Projekt in 2020 bereits im 5 .Jahr. Es soll als Vorbild für die Elektrizitätsversorgung isolierter Regionen dienen. Die für 2020 geplante feierliche Eröffnung der Anlage durch den niedersächsischen Umweltminister konnte Corona-bedingt nicht stattfinden.