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Ghana und Nordrhein-Westfalen - Länderpartnerschaft

Mit Ghana verbindet Nordrhein-Westfalen seit 2007 eine formalisierte Partnerschaft. 2016 wurde die Kooperation um weitere 5 Jahre verlängert.

Die Beziehungen zwischen Ghana und Nordrhein-Westfalen sind gekennzeichnet von intensivem Austausch. Zuletzt reiste Staatssekretär Dr. Speich im August 2019 nach Ghana, um Schwerpunkte einer künftigen Partnerschaft abzustimmen. Der ghanaische Präsident Akufo-Addo wurde bei seinem Besuch in Nordrhein-Westfalen im Februar 2018 von Ministerpräsident Laschet empfangen. Auf dem Deutsch-Afrikanischen Wirtschaftsforum in Dortmund – einer vom Land geförderten Informationsplattform für hiesige Unternehmen mit Interesse am afrikanischen Markt – erläuterte er seine Philosophie von „Africa beyond aid“ und warb um Investitionen.

Austauschprogramme auf Verwaltungsebene

Seit 2017 findet ein Verwaltungsaustausch zwischen Ministerien in Nordrhein-Westfalen und Ghana statt. Im Zuge dieses Programms werden deutsch-ghanaische Tandems gebildet. Sie bestehen aus jeweils einem Mitarbeiter oder einer Mitarbeiterin aus der Verwaltung Nordrhein-Westfalens und aus Ghana. Kern des Konzeptes ist, dass die Teilnehmenden zu einem vorher definierten Thema aus ihrem jeweiligen Arbeitsbereich zusammenarbeiten. Durch gegenseitige Hospitationsbesuche erhalten sie Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch und zum Einblick in den Arbeitsalltag, die Prozesse und die Strukturen der Behörde des jeweiligen Partners.

Neben dem Austausch auf Regierungs- und Verwaltungsebene existieren enge Kontakte zwischen Kommunen in Ghana und Nordrhein-Westfalen. So verbindet zum Beispiel Bonn und Cape Coast eine langjährige Partnerschaft. Selm unterstützt die Stadt Busunu im Norden Ghanas beim Aufbau von Stadtwerken. Mönchengladbach und Offinso verbindet seit 2004 eine enge Zusammenarbeit der Zivilgesellschaft, die von der Stadtverwaltung unterstützt wird.

Seit 2019 fördert das Land einen kommunalen Fachaustausch zwischen Nordrhein-Westfalen und Ghana mit dem Ziel, bestehende Kooperationen zu intensivieren und den Aufbau neuer Partnerschaften zu unterstützen. Vertreter von Städten und Gemeinden können u.a. Informationsreisen unternehmen, etwa zur Anbahnung einer Partnerschaft, um Themen für eine Kooperation zu identifizieren und Kontakte zu knüpfen. Zudem steht Kommunen ein Förderprogramm für ihre Aktivitäten im Ausland zu Verfügung. Der kommunale Fachaustausch wird von der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) von Engagement Global in Bonn betreut, das Förderprogramm für Aktivitäten im Ausland von Engagement Global in Düsseldorf.

Zivilgesellschaft

Neben den Kontakten auf Regierungsebene haben vor allem Projekte der Zivilgesellschaft die Partnerschaft in den letzten Jahren maßgeblich geprägt. Die Landesregierung unterstützt dieses Engagement über verschiedene Förderprogramme. Über das „Auslandsprogramm“ werden Partnerschaftsprojekte in Ghana unterstützt, zudem wird Informationsarbeit in Nordrhein-Westfalen selbst finanziert. Mit dem „Konkreten Friedendienst“ bezuschusst die Landesregierung junge Menschen, die Freiwilligenarbeit leisten wollen. Diese Programme werden von Engagement Global in Düsseldorf betreut.

Flankiert und unterstützt wird die Partnerschaft zwischen Nordrhein-Westfalen und Ghana durch das Ghana Forum als Verein der in Ghana engagierten zivilgesellschaftlichen Akteure und durch den Ghana Council als Zusammenschluss der ghanaischen Diaspora. Beide Vereine werden von der Landesregierung Nordrhein-Westfalen im Rahmen des Eine-Welt-Promotorenprogramms unterstützt. Zudem wird über das Promotorenprogramm der Verein Junger Deutsch-Afrikaner gefördert.

Umwelt

Seit 2012 arbeitet das Land Nordrhein-Westfalen eng mit dem GIZ Landesbüro in Düsseldorf zusammen, das mit Landesmitteln verschiedene Projekte in Ghana umsetzt. Unter anderem wurde die Universität von Kumasi schrittweise zu einem Kompetenzzentrum für Erneuerbare Energien und Ressourceneffizienz ausgebaut. Seit 2016 engagiert sich das Land über die GIZ auf der Müllhalde Agbogbloshie in Accra, um dort die Arbeitsbedingungen im Elektroschrott-Recycling zu verbessern.

Wirtschaft

Nachdem seit 2012 die entwicklungspolitischen Projekte mit der GIZ vorwiegend im Umwelt- und Ressourcenschutz durchgeführt wurden, hat die Staatskanzlei seit 2019 die Schwerpunkte neu ausgerichtet. Im Fokus steht nun die „Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung“. So werden beispielsweise die Startup Ökosysteme in Kumasi und Tamale durch einen Austausch mit Akteuren der Start-up Szene im Ruhrgebiet gestärkt. Ein innovativer Finanzierungsmechanismus für Kleininvestitionen von Startups soll erprobt und ein Innovationsbudget zur Verfügung gestellt werden. Aus dem Budget sollen z.B. Potenzialstudien, Reise- und Pilotierungskosten für Geschäftsideen, etwa zur Nahrungsmittel-, Energie- und Wasserversorgung, getragen werden. Daneben sollen kleine und mittlere Unternehmen in ihrer Wettbewerbsfähigkeit gestärkt werden. So eröffnet die Digitalisierung den Unternehmen Chancen, sich nicht nur regional, sondern landesweit zu präsentieren. Im Rahmen einer Anschubfinanzierung soll eine digitale Plattform aufgebaut werden, die den Unternehmen hilft, ihre Sichtbarkeit zu stärken.

Ziel der Landesregierung ist eine Intensivierung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Nordrhein-Westfalen und Ghana. NRW.International hat im Februar 2019 eine Unternehmerreise nach Ghana organisiert. Im Rahmen eines Besuchs der ghanaischen Botschafterin in Nordrhein-Westfalen im Mai 2019 fand eine Diskussionsveranstaltung mit Vertretern mittelständischer Unternehmen in NRW zu Investitionschancen und -hemmnissen in Ghana statt.

Hochschulen

Das Wissenschaftsministerium unterstützt Ghana bei der Neuausrichtung des Fachhochschulsektors: Polytechnische Fachoberschulen sollen zu technischen Fachhochschulen werden. Von 2017 bis 2021 fördert das Land zwei Partnerschaftsprojekte zur Verbesserung des Hochschulmanagements der neuen technischen Fachhochschulen in Ghana (Hochschule Hamm-Lippstadt mit der Koforidua Technical University und der Ho Technical University; Hochschule Bonn-Rhein-Sieg mit der Cape Coast Technical University und der Kumasi Technical University).

Zudem unterstützte das Wissenschaftsministerium von 2018 bis 2019 die Vernetzung zwischen Hochschule und Wirtschaft an der Technischen Universität Tamale.

In der zweiten Jahreshälfte 2020 soll ein vom Land Nordrhein-Westfalen gefördertes medizinisches Forschungsprojekt zur Bekämpfung der Lymphatischen Filariose in Ghana starten, durchgeführt als Kooperationsvorhaben zwischen dem Universitätsklinikum Bonn und dem Kumasi Centre for Collaborative Research (KCCR) an der Kwame Nkrumah University of Science and Technology (KNUST).

Schulen

Mehrere Schulen in Nordrhein-Westfalen pflegen Schulpartnerschaften zu ghanaischen Schulen. Darüber hinaus steht Schulen ein Medienpaket zum Thema Ghana für den Unterricht zur Verfügung, das über das Bildungsportal des Landes Nordrhein-Westfalen digital abgerufen werden kann. Schulen können zudem eine von der GIZ mit Förderung der Staatskanzlei konzipierte Ausstellung entleihen, die unter dem Titel „Aluminium, Gold, E-Schrott. Kein Glanz ohne Schatten“ erläutert, welche Auswirkungen unser Ressourcenverbrauch in anderen Ländern hat und welche Lösungsansätze Nordrhein-Westfalen im Rahmen der Partnerschaft mit Ghana anbietet. In Kürze wird ein multimediales Angebot die Auswahl für Schulen ergänzen.

Migration

Das nordrhein-westfälische Integrationsministerium beteiligt sich am Aufbau eines „Migration Information Center for Returnees“ (MICR) am Flughafen „Kotoka International Airport“ in Accra. Ziel des Informationszentrums ist es u.a., Rückkehrer aus Deutschland bzw. Europa vor Ort in Ghana zu Reintegrationsmaßnahmen und Unterstützungsangeboten zu informieren.

Das Projekt mit dem Ghana Immigration Service (GIS) läuft unter Federführung des European Return und Reintegration Network (ERRIN), einer Arbeitsgemeinschaft aus 15 EU-Mitgliedstaaten und Schengen-assoziierten Staaten, der Europäischen Agentur für die Grenz- und Küstenwache und der Europäischen Kommission. Beteiligt sind das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sowie das nordrhein-westfälische Integrationsministerium, das gemeinsam mit dem GIS die Grundidee des Projekts im Rahmen des ghanaisch-nordrhein-westfälischen Verwaltungsaustauschs 2018/19 entwickelt hat.