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Im Fokus

Nachhaltigkeitsziel 15: Landökosysteme schützen – Beitrag zur Zielerreichung in Sachsen

Sächsische Nachhaltigkeitspolitik im Inland

Boden, Wasser, Luft, Rohstoffe, aber auch die Landschaft mit ihrer Tier- und Pflanzenwelt sind natürliche Ressourcen der Erde. Sie sind einzigartig, unersetzbar und in ihren Ursprüngen nicht vermehrbar. Die Gesellschaft in einer zunehmend vernetzten und globalisierten Welt trägt die Verantwortung, dieses „natürliche Inventar“ für die heutige und für künftige Generationen zu erhalten.

Die Sächsische Staatsregierung sieht im Schutz und in der nachhaltigen Nutzung der natürlichen Ressourcen eine zentrale Aufgabe. Die Nachhaltigkeitsstrategie für den Freistaat Sachsen 2018 definiert im Handlungsfeld „Natürliche Lebensgrundlagen und Ressourcenschutz“ einige Schwerpunktziele mit Bezug zu Nachhaltigkeitsziel 15, um Landökosysteme zu schützen. Darüber hinaus bestehen wichtige Bezüge zu anderen Aufgaben und Handlungsfeldern (z. B. Bildung und Wissenschaft oder Energie und Klima) sowie anderen Schwerpunkten (u. a. Bildung für nachhaltige Entwicklung, Anpassung an die Folgen des Klimawandels, Ressourcenschutz).

Schutz des Bodens und nachhaltige Landbewirtschaftung

Böden erfüllen zentrale Funktionen im Naturhaushalt, u. a. als Wasser- und Nährstoffspeicher und als Lebensgrundlage für Mensch, Tier und Pflanze. Der Schutz der Böden vor Erosion und Schadstoffeinträgen sowie das Erhalten von natürlichen Bodeneigenschaften ist Voraussetzung dafür, die Funktionsfähigkeit von Ökosystemen und die Leistungsfähigkeit der Böden für die landwirtschaftliche und forstliche Nutzung zu erhalten.

Zentrale Herausforderungen und Ziele bestehen darin, Altlasten, schädliche Bodenveränderungen, die Bodenerosion und Schadstoffeinträge sowie die Neuinanspruchnahme von Flächen für Siedlung und Verkehr zu minimieren. Wichtige Maßnahmen hierfür sind die Anwendung nachhaltiger Bewirtschaftungsverfahren wie pfluglose, erosionsmindernde Bestellverfahren oder eine emissionsarme Wirtschaftsdüngerausbringung. Stoffausträge werden durch Einhaltung rechtlicher Vorgaben (u. a. Düngerecht, Pflanzenschutzverordnung) minimiert und vermieden. Und weiterhin wird ein ausgewogenes Wachstum des ökologischen Landbaus gefördert.

Biologische Vielfalt, Natur und Landschaften bewahren

Der weltweite Arten- und Populationsschwund geht auf einen ganzen Komplex von überwiegend menschlichen Einwirkungen auf die Ökosysteme zurück, z. B. auf die direkte Zerstörung von Lebensräumen, ihre Zerschneidung und Verinselung oder auf Schadstoffeinträge. Sachsen verfügt über eine wertvolle sowie vielfältige Natur und Landschaft. Die Schutzwürdigkeit und -bedürftigkeit gilt dem Erhalt der Biodiversität (Arten- und Biotopvielfalt), der Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushaltes, der Nutzungsfähigkeit der Naturgüter, der Eigenart und Schönheit des Landschaftsbildes sowie der Funktion als abwechslungsreicher Erlebnis- und Erholungsraum des Menschen.

Instrumente sind nationale bzw. landesweite Programme zur biologischen Vielfalt, die Ausweisung und das Management von Schutzgebieten, die Umsetzung von Natura 2000 und Artenschutzprogrammen, die Unterstützung flächenbezogener Naturschutzmaßnahmen sowie eine ökologische Landwirtschaft.

Wälder umbauen und nachhaltig bewirtschaften

Wälder erbringen vielfältige wichtige Ökosystemleistungen. Neben dem Schutz von Wasser, Boden, Arten und Biotopen und den Erholungsfunktionen des Waldes ist die nachhaltige und naturnahe Erzeugung des heimischen Rohstoffes Holz für die Gesellschaft und den Schutz des Klimas unverzichtbar. Rund 28 Prozent der Fläche im Freistaat Sachsen sind Wälder, dominiert von Fichten und Kiefern. Ziel ist es, die Wälder in stabile, arten- und strukturreiche, leistungsfähige Mischbestände, insbesondere mit Buche, Eiche und Tanne, umzubauen und so an den Klimawandel anzupassen.

Durch Waldumbau und -mehrung soll künftig der Einsatz von Holz als ressourcenschonender Werkstoff, Energieträger und Kohlenstoffsenke erhöht werden. Waldflächen werden nachhaltig naturnah und multifunktional bewirtschaftet. Der Arten- und Biotopschutz wird optimal integriert. Ergänzt wird dies durch Kommunikations- und waldpädagogische Maßnahmen, die Unterstützung von Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern sowie eine stetige Modernisierung der Forstwirtschaft.

Der Schutz der Ökosysteme benötigt eine internationale, interregionale und grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Dies erfolgt seitens Sachsen durch politischen Austausch, gemeinsame wirtschaftliche Aktivitäten, internationale Forschungsprojekte oder Kooperationen, angepasst an vorhandene Wohlstandsniveaus, Entwicklungsperspektiven und politische Bedingungen. Im Rahmen seiner Entwicklungsarbeit unterstützt der Freistaat Sachsen Länder nach seinen Möglichkeiten, um Lebensumstände vor Ort langfristig zu verbessern.

Neben Maßnahmen im Inland stellen Vorhaben zugunsten von Menschen, die im globalen Süden leben, einen zunehmenden Schwerpunkt der Aktivitäten des Freistaates Sachsen dar.

Kleinprojektefonds

Sachsen bietet einen Kleinprojektefonds für Entwicklungszusammenarbeit an, um die Tätigkeit der sächsischen Zivilgesellschaft mit Partnern in den Ländern des globalen Südens zu unterstützen. Anträge nimmt die Stiftung Nord-Süd-Brücken entgegen. Die Stiftung mit Fokus auf die ostdeutschen Länder und Berlin ist nicht nur Servicestelle für Geber. Sie berät und unterstützt Nichtregierungsorganisationen bei der Entwicklung und Qualifizierung ihrer Anträge.

In den Projekten geht es beispielsweise um den Bau oder die Instandsetzung von Schulen, die Errichtung einer Energieversorgung auf Basis von Photovoltaik oder um Beiträge, damit benachteiligte Bevölkerungsgruppen am regulären Schulunterricht teilnehmen können.

Derzeit stellt die Prävention vor Infektionskrankheiten ein zentrales Ziel dar. Am 19. Mai 2020 hat Sachsen einen Aufruf gestartet, um Nichtregierungsorganisationen bei Maßnahmen gegen Covid-19 und Infektionskrankheiten zu unterstützen.  

Entwicklungspolitisches Netzwerk Sachsen e. V.

Schon vor etwa 25 Jahren gründeten die in Sachsen aktiven Nichtregierungsorganisationen (NRO) eine Dachorganisation, um die Kommunikation mit Öffentlichkeit und Politik zu bündeln und zu stärken. Das Netzwerk dient auch dem Erfahrungsaustausch über Projekte mit den Partnern im globalen Süden. Das Entwicklungspolitische Netzwerk Sachsen e. V. hat derzeit 62 Mitgliedsverbände und ist inhaltlich sehr breit aufgestellt.

Beispiel arche noVa - Initiative für Menschen in Not e. V.

Dem Schutz der Landökosysteme widmet sich mit dem Schwerpunkt Wasser beispielsweise die Nichtregierungsorganisation arche noVa - Initiative für Menschen in Not e. V. Die im sächsischen Vergleich große, auf Entwicklungszusammenarbeit spezialisierte NRO entstand aus einer Gruppe engagierter Bürgerinnen und Bürger, die sich auf Nothilfe bei Naturkatastrophen spezialisiert hatten. Kernkompetenz ist die Sicherstellung der Trinkwasserversorgung. Daraus hat sich ein breites Engagement rund um das Thema Wasser entwickelt. Die Ressource Trinkwasser/Süßwasser gehört in weiten Teilen zu den besonders unter Druck stehenden Ressourcen. Arche noVa hat durch technisch angepasste robuste Lösungen zur Trinkwasserreinigung, aber auch zur Retention und Verminderung des Abflusses von Oberflächenwasser wichtige Vorhaben realisiert. Neben der Entwicklungshilfe engagiert sich der Verein auch bei der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE).

Im Auftrag des Entwicklungspolitischen Netzwerkes Sachsen sowie in Kooperation und mit finanzieller Unterstützung des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus betreut arche noVa das Online-Portal BNE Sachsen. Dieses hält auch zum Nachhaltigkeitsziel 15 „Leben an Land“ vielfältige Anregungen und Bildungsmaterialien bereit.

UNU-FLORES  - UNU Institute for Integrated Management of Material Fluxes and of Resources

Seit 2019 wurde von verschiedenen Stellen der Staatsregierung die Kooperation mit dem Institut UNU-FLORES verstärkt. Die UNU ist die Universität der Vereinten Nationen. Diese unterhält in Deutschland zwei Institute – eines davon an der TU Dresden. Flores steht für Flux of Ressources und damit im weitesten Sinne für Umweltschutz. Kernaufgabe von UNU-FLORES ist die Betreuung von Promotionen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus dem globalen Süden. In einem der Promotionsprojekte geht es um Bodenschutz und nachhaltige Landnutzung in Tansania. Forschungsgegenstand ist aber auch Deutschland. So soll Stipendiatinnen und Stipendiaten von UNU-FLORES ermöglicht werden, zum Strukturwandel in der Lausitz zu forschen.

 

Sächsische Staatsregierung